Die Folgen des Klimawandels sind über die letzten Jahre immer häufiger und stärker zu spüren. Von den zwölf wärmsten Jahren in Deutschland seit 1881 sind zehn aus den vergangenen zwanzig Jahren. Die tendenziell häufiger auftretenden Sommertage oder heißen Tage stellen ein erhebliches gesundheitliches Risiko insbesondere für gesundheitlich vorgeschädigte Personen, ältere Menschen und Säuglinge dar. Oftmals treten diese Tage in Folge und begleitet von Tropennächten auf, sodass die Regenerationsfähigkeit zusätzlich beeinträchtigt wird. Das führt zu erheblichen Einschränkungen des alltäglichen Lebens, beispielsweise auch zu neu auftretender Migräne, etc. wodurch es ein gesamtgesellschaftliches Problem wird. Dies wirkt sich besonders auf Menschen aus, die nicht die Mittel haben, um sich zu schützen. Außerdem wohnen Menschen mit geringeren Einkommen in Wohnungen, die weniger von Hitze geschützt sind und deren Umfeld keine Zuflucht bietet. So sterben jedes Jahr Menschen aus Risikogruppen, wie alte, kranke und obdachlose Menschen aufgrund von extrem Temperaturen in Berlin. So schätzt das RKI, dass 2018 in Berlin rund 490 Menschen aufgrund von Hitze vorzeitig starben.[12.] Im Sinne der Klimagerechtigkeit ist es unsere Pflicht, unsere Stadt frühzeitig an die klimatischen Veränderungen anzupassen und weitere Temperaturanstiege zu verhindern.

Die Grüne Jugend Berlin möge folgenden Antrag beschließen und bei Bündnis90/DIE GRÜNEN einbringen:

Niederschlag und Überschwemmungen:

Für Deutschland wird aktuell eine Zunahme der Tage mit schwerem Gewitter in den kommenden Jahrzehnten erwartet.[4] Große Mengen an Starkregen führen dezentral zu einem schnellen Überlasten der Abwasserkanalisation. Durch die hohe Flächenversiegelung in Berlin, kann das Wasser nicht versickern und fließt direkt in die Kanalisationssysteme, welche für diese Massen nicht ausgelegt sind. Dadurch gelangt Schmutz- und Abwasser durch Überschwemmung in Flüsse und Gewässer und vergiftet diese.

Eine von vielen Lösungen für die Minderung von Überschwemmung, wird in Berlin bereits an vielen Orten angewandt und erforscht: volle Balkonbegrünung, Efeuhauswände und Projekte, wie die der Beuth Hochschule [9.] zusammen mit dem “Kö-Bogen 2” in Düsseldorf zeigen, dass bereits heute viele Maßnahmen zur Klimaanpassung möglich sind und diese auf Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen . Begrünte Fassaden, bepflanzte Balkone und begrünte Dächer binden CO2, wirken luftreinigend, halten Regenwasser in die Kanalisation zurück, vergrößern die biologische Vielfalt von Pflanzen und können die Aufheizung der Stadtluft verringern.

Die Erdschicht und die Pflanzen von Dachbegrünung wirken auch für die Gebäude als lebendige Dämmung, wodurch die Innentemperatur ganzjährig angenehmer ist – kühler im Sommer und wärmer im Winter.

Deswegen fordern wir radikale Vorschriften in allen Bebauungsplänen und 
Vereinbarungen von Bauanträgen auf anfangs allen neuen Gewerbegebäuden, Einkaufszentren und Industriegebäuden ab 2021 und ab 2025 ausgeweitet auf alle neue Gebäude: 99% der Gebäudeoberfläche muss mit Fasssadenbegrünung, Dachflächenbegrünung, klimaresilientem Material, intelligenten Fensterscheiben sowie Photovoltaik-, Solar- und Kleinwindkraftanlagen ausgestattet werden.[7.] Zudem sollen in zehn ersten Kiezen ganze Straßenzüge und Quartiere vertikal und horizontal bis 2025 nach neu entwickelten und einheitlichen Modellen “begrünt” 
werden. Darauf soll ein kontinuierlicher Prozess folgen und jährlich 100 weitere Straßenzüge nach einheitlichen Standards begrünt werden. Ein Teil der begrünten Dächer soll zudem als begehbare Dachgärten gestaltet werden. Dabei soll mit einem Förderpaket in jedem Kiez mehrere öffentlich zugängliche Dachflächen mit Sitzbänken, Spielplätzen, Gemeinschaftsgärten und Aussichtsplätzen an der Frischluft, als Teil des Konzeptes der neuen klimaresilienten Stadt, bis 01.01.2020 geschaffen werden und ab 2022 linear weiter ausgebaut werden. Wir fordern jeden Bezirk auf, jedes Jahr die begrünte Fassadenflächen zu verdoppeln. Bis 2040 sollen 80% des Berliner Gebäudebestandes nach diesem Konzept mit Fassadenbegrünung und/oder Dachbegrünung ausgestattet sein und die Stadt nach und nach an das veränderte Klima angepasst werden. Dies unterstützt und leitet das Land Berlin mit einer neuen Abteilung für klimaresiliente Stadtplanung. Alle Bezirke werden von dieser bei der Analyse, Planung und Umsetzung personell, finanziell und planerisch unterstützt. Zudem werden dafür Mittel und Unterstützung für Grünflächenämter, Bürger*inneninitiativen sowie Schul- und Forschungsprojekte massiv ausgeweitet.

Uns ist bewusst, dass ein begrüntes Gebäude zunächst höhere Bau- und 
Wartungskosten hat, langfristig werden jedoch, beispielsweise durch eine bessere Stadtluft, geringeres gesundheitliches Risiko, der Prävention von 
Überschwemmung, der natürliche Kühlungseffekt und die vielen neuen öffentlichen “urban Gardening” Flächen, die Kosten für die Allgemeinheit deutlich senken.

Ein weiteres Problem bei Starkregen ist, dass das Wasser nicht aufgefangen wird, sondern ungenutzt in der Kanalisation versinkt. Durch weitere Wasserspeicher können große Mengen Regenwasser aufgefangen und somit die Kanalisation entlastet werden. Deswegen fordern wir, dass ab 2025 alle Industriegebäude sowie große Gebäude mit mehr als 100m^2 Dachfläche, Regenwasser sammeln und für die Bewässerung des Stadtgrüns bereitstellen. Anschließend soll dieses Wasser zur kostengünstigen Bewässerung des Stadtgrüns eingesetzt werden. Diese Investitionen sind auf lange Sicht eine Möglichkeit die Kosten der Begrünungspflege zu senken.

Neben den Maßnahmen zur Begrünung von Dachflächen und der Entgegenwirkung von Überschwemmungen sollen Parkhäuser mit offenem obersten Parkdeck der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden und on öffentliche, grüne Dachparks umgestaltet werden. Dabei sollen Vereine und Initiativen die Gestaltung sowie teilweise Bewirtung der Flächen übernehmen können. Dadurch wollen wir neue Lebens- und Kulturzentren mit einem Ausblick über den Kiez schaffen.

Dürren und Gewässer

Das vorhandene Stadtgrün und die zahlreichen Gewässer in Berlin müssen geschützt werden. Durch die stärkere Sonneneinstrahlung bilden sich Algen schneller, welche einen hohen Sauerstoffverbrauch haben. Um Fischsterben und sogenanntes Kippen der Seen voruzubeugen, soll jährlich zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr das Wasser mit Pumpen umgewälzt werden und dadurch frischer Sauerstoff zugeführt werden. . Das Grünflächenamt muss zukünftig finanzielle Mittel und Ausrüstung bekommen, um der Algenbildung entgegenzuwirken und die Wasserqualität aufrechtzuerhalten. Die Badeseen bieten vielen Menschen eine Abkühlung und Lebensqualität an heißen Tagen. Dieses kostenlose und wichtige Freizeitangebot muss durch die Stadt geschützt werden. Langfristig sollen in Berlin auch neue Seen, Bademöglichkeiten und Naturparks entstehen. Neubaugebiete ab einem Quadratkilometer, beispielsweise wie die geplante Bebauung des Tegeler Feldes müssen neue Seen und Gewässer anlegen sowie naturnahe Rückzugsorte in die Fassaden- und Dachkonstruktion mit einbeziehen.

Werden Hitzeperioden von anhaltender Trockenheit begleitet, geraten auch die Berliner Wälder und das Stadtgrün unter Stress, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Schaderreger führen kann.

Die Straßenbäume können die Lufttemperatur der Stadt um 2°C senken und die Temperatur des Asphalts sogar um bis zu 15°C. Bei Neubepflanzung muss deshalb auf eine Diversität bei der Artenauswahl geachtet werden, damit bei Krankheit nicht der komplette Baumbestand gefährdet wird. Hitzeresiliente Arten sind ebenso zu berücksichtigen.

In Berlin gibt es 431.109 Straßenbäume (Stand: 31.12.2019) und viele 
Quadratkilometer Bepflanzungen, um die sich das Grünflachenamt kümmert. Leider sind aktuell die Kapazitäten nicht ausreichend, um alle Straßenbäume an heißen Tagen zu bewässern. Wir fordern daher, bis 2021 ein langfristiges Konzept zur Bewässerung der Straßenbäume zu erarbeiten. So sollen unter anderem automatische Bewässerungssysteme mit Schlauchanlagen bei Baumaßnahmen, beispielsweise Neubepflanzung, Entsiegelung von Parkplätzen, Umgestaltung oder Verengung von Straßen direkt verbaut und integriert werden. Neben der Auswahl geeigneter Baumarten in Hinsicht auf die steigenden Temperaturen und der veränderten klimatischen Bedingungen in den nächsten Jahrzehnten muss die Anzahl der Neupflanzungen deutlich ansteigen. In Zeiten der weltweit höchsten CO2 Emissionen können wir nicht zulassen, dass der Baumbestand in Berlin kontinuierlich abgebaut wird. Wir fordern die Anzahl der Straßenbäume in Berlin bis 2030 um 25% zu steigern. Diese sollen vorrangig auf entsiegelten PKW-Parkplätzen und zurückgebauten Straßen bepflanzt werden.

Für die Bewässerung der Straßenbäume soll neben einer Stärkung der Mittel von Grünflächenämtern ein großes Baumscheibenbepflanzungsprogramm für 100.000 Baumscheiben in Wohnstraßen entwickelt werden. Durch die Bepflanzung der Baumscheibe wird Wasser vor Verdunstung zurückgehalten und das gießen der Bäume 
für Anwohnende attraktiver. Die Bepflanzungen unterstützen den Schutz der Stadtbäume, lockern den meist harten wasserundurchlässigen Boden, liefern Lebensqualität durch attraktive Begegnungsräume, teilweise mit integrierten Sitzbänken für Anwohnende und außerdem unterstützt die Bepflanzung die Biodiversität und den Schutz von wichtigen Insekten in unserer Stadt.

Mithilfe von Baumpat*innenprogrammen sollen einerseits die Grünflächenämter entlastet und der urbane Lebensraum begrünt und bunt gestaltet werden. Anwohnende können sich für eine Baumscheibe in der Nähe der Wohnung bewerben, kümmern sich um die Bewässerung, Pflege, Bepflanzung und Gestaltung der Baumscheibenfläche (also die nicht versiegelte Flächen um den Baumstamm herum). Baumpat*innen bekommen im Gegenzug transparente Prämien von 50€ im Jahr sowie 
einen Materialgutschein für bis zu 250€ im Jahr. Zudem soll regelmäßig und 
öffentlich in Kiezwettbewerbe über die schönsten Baumscheiben abgestimmt werden.

Das neue Baumpat*innenprogramm soll auch die Öffentlichkeit über die Funktion und Rolle von Stadtbegrünung und auch über den Wasserbedarf der Straßenbäume aufklären, damit Menschen nicht nur kleine Mengen für die Bepflanzungen gießen, sondern genug Wasser, damit der Baum und alle Wurzeln versorgt werden.

Bei der Nutzung durch Anwohnende müssen die Partizipationsmöglichkeiten gesteigert und Hürden abgebaut werden. Zudem fordern wir, dass Hausverwaltungen den Baumpat*innen einen Wasseranschluss im Erdgeschoss für die Bewässerung der Baumscheiben bereitstellen müssen. Somit soll mittelfristig ein wichtiger Beitrag zur Bildungs- und Aufklärungsarbeit einer klimaresilienten Stadt in der 
Öffentlichkeit stattfinden.

Hitze und Kälte: 

Durch den Klimawandel steigt die Zahl der Hitzerekorde und Hitzewellen auch in Berlin weiter an. Die ansteigenden Temperaturen und längeren Hitzeperioden sorgen für eine zunehmende Verbreitung von Klimageräten. Daraus ergeben sich aber auch neue Probleme: beispielsweise ein höherer Elektroenergieverbrauch, Klimaveränderungen durch den damit verbundenen höheren Kohlendioxidausstoß und Ozonschichtveränderungen durch entweichende Kältemittel. Alternativ zu herkömmlichen Kompressor-Klimaanlagen wird seit Mitte der 1980er 
Jahre auch in Deutschland immer mehr die sogenannte adiabate Kühlung eingesetzt. Die erforderliche Kälte wird dabei durch Verdunstungskälte erzeugt. Beispielsweise hat das deutsche Bundeskanzler*innenamt eine adiabate Kühlanlage, mit der die Büroflächen gekühlt werden. Ein weiteres Beispiel für diese Verdunstungskühlung war die EXPO 1992 in Sevilla. Dort wurde die Außenlufttemperatur auf dem EXPO-Gelände durch Verdunstung von zuweilen 42°C auf 36°C abgesenkt.

Die Kopplung der Kälteversorgung im Sommer mit der Wärmeversorgung im Winter mithilfe von Eisspeichern, Latentwärmespeichern, Solarwärme, Geothermie, Kältenetzen und einer niedrigen Vorlauftemperatur des Fernwärmenetzes soll dafür sorgen, dass sich Berlin an die veränderten Anforderungen des Klimas anpasst. Die große Klimaanpassungsstrategie Berlins muss diese Möglichkeiten berücksichtigen und im Erneuerbaren-Wärme-Gesetz wiederspiegeln.

Hinzu kommt, dass in Städten wie Berlin es auch ohne den Klimawandel zu höheren Luft- und Oberflächentemperaturen als im unbebauten Umland kommt: Eine hohe Oberflächenversiegelung und dichte Bebauung führen dazu, dass Städte tagsüber sehr viel Sonnenenergie absorbieren und in den Baukörpern sowie über den Asphalt speichern.[1,2,3]

Damit Berlin auf die Herausforderungen der Hitzewellen in der Klimakrise 
vorbereitet ist, muss bis 2025: 50 % der Verkehrsfläche entsiegelt werden! Diese Entsiegelung reduziert die Absorbtionsfläche von Wärme durch weniger Asphalt und Beton, wodurch ein natürlicher Kühlungseffekt wieder hergestellt werden kann. Außerdem werden durch die gewonnenen Grünflächen CO₂ Emissionen kompensiert und bei einer Häufung von Starkregen die Kanalisationen entlastet. Nur so kann die Stadt sich langfristig selbst kühlen und Menschenleben geschützt werden.

Der dadurch freie Platz soll für umweltfreundliche, begrünte und 
wasserdurchlässige Alternativen, die in das nachhaltige Gesamtklimaanpassungspaket sinnvoll integriert sind, zur Verfügung stehen. Die Entsiegelung von Autospuren und Parkplätzen soll in öffentlichen Raum für neue Blumenwiesen, neue Bäume, größere Baumscheibenbepflanzung, Kulturräume und Begegnungszonen, Spielgeräte und Tischtennisplatten, Fahrradleihstationen, Hochbeete und Urban Gardening Flächen, Trinkwasserbrunnen, Giesstation und 
Springbrunnen sowie für Hohe Hecken und Naturrückzugsräume umgestaltet werden. Langfristig sollen Wohnstraßen ab 2030 generell frei von motorisiertem Individualverkehr werden. Die Breite der Straße kann dadurch deutlich verkleinert werden kann. Auch sämtliche Parkplätze werden nicht mehr gebraucht. Somit werden große Flächen für die Entsiegelung frei.

Dass in Berlin 10 mal mehr Fläche für PKW Parkplätze als für Spielplätze 
vorhanden ist, sehen wir kritisch. Wir fordern zehn, mindestens einen Kilometer lange, Straßen bis 01.01.2022 vollständig zu entsiegeln. Daraufhin müssen in diesem Sinne jährlich weitere 100 Kilometer folgen. Mit einem zusätzlichen Push & Pull Gesamtprogramm, zum Beispiel durch einerseits verstärkter Parkraumbewirtschaftung und andererseits einer starken Förderung des Radverkehrs, sollen zudem Durchgangsstraßen durch bessere Umweltalternativen obsolet gemacht werden.

Das heutige Stadtbild mit breiten Straßen und versiegelten Flächen zwischen den Gebäuden muss einer lebenswerten Stadt weichen. Mit der Anpassung zu einer klimaresilienten Stadt erscheinen die ehemaligen Straßen wie breite Grünstreifen und nahezu kleinen Parks zwischen begrünten Gebäuden. Eine schmale Fahrpur in der Mitte dient lediglich dem Lieferverkehr und Umweltmobilitätsverbund. Eine autogerechte Stadt ist nicht wiedererkennbar, sondern ist einer lebenswerten Stadt für alle Bewohner*innen gewichen. Die somit geschaffenen klimafreundlichen Kieze bieten neue Lebens- und Gestaltungsmöglichkeiten und gesünderen Lebensraum für Menschen und Umwelt. Das ist das neue Hauptziel der Berliner Stadtentwicklungspolitik.

BEK 2100

Die Grüne Jugend hat 2019 bereits verabschiedet, dass ein völliger 
Paradigmenwechsel für die Klimaanpassung notwendig ist und unversiegelte Flächen zur Norm werden. Wir fordern hiermit eine konkrete Gesamtstrategie zu entwickeln, welche entscheidende und radikale Grundelemente setzt, um auch 2100 in Berlin leben zu können.

Wir begrüßen die Maßnahmen des Energie- und Klimaschutzprogramm 2030 (BEK 2030), doch wir sehen deren Reichweite und Umsetzung als kritisch und gescheitert. Die Ziele des BEK 2030 richteten sich nicht nach dem Pariser Klimaabkommen, sind für die Einhaltung des 1,5°Zieles unzureichend und bereiten Berlin nicht auf eine klimaneutrale Zukunft vor, in der alle Menschen gesund und geschützt leben können. Da dieses BEK 2030 bereits 2021 ausläuft und die notwendigen Maßnahmen für Klimaanpassung bei Weitem nicht ausreichend sind, fordern wir ein neues, radikales und weitaus umfassenderes nachfolge Energie- und Klimaschutzprogramm jetzt vorzubereiten. Die aktuellen Prognosen der Klimaveränderung überschreiten deutlich die bisher angenommenen Werte. Die Klimaanpassung einer Metropole wie Berlin benötigt Jahrzehnte, währenddessen der Klimawandel schneller voranschreitet, als die negativsten Prognosen aus den letzten Jahren berechnet hatten. Deswegen ist es wichtig jetzt zu handeln, den Grundstein für ein klimaneutrales Berlin 2035 zu legen und Anpassungen für die nächsten Jahrzehnte schon heute zu beginnen!

Um die Stadt an die starken Veränderungen anzupassen und die Menschen zu schützen, fordern wir aus diesen Gründen das größte und nachhaltigste Maßnahmenpaket für Berlin, das es je gegeben hat und keine Ecke der Stadt unberührt lässt. Das neue BEK 2100 soll eine Vielzahl von städtebaulichen Klimaanpassungsentwicklungsprogrammen entwickeln. Dabei werden umfassende und weitreichende Möglichkeiten analysiert, entwickelt und für die langfristige Projektstrategie vorbereitet. Die demografische Entwicklung führt – wenn auch langsamer als in anderen Bundesländern – auch in Berlin zu einer immer älteren Gesellschaft. Damit wächst auch hier der Anteil der in Bezug auf den Klimawandel vulnerablen Bevölkerungsgruppen. Dem muss sich die Klimaanpassungspolitik Berlins konsequent stellen. Vor diesem Hintergrund soll das neue BEK vor allem in den Handlungsfeldern Gesundheit und Mobilität stärkere Akzente setzen. Mit diesen Maßnahmen soll auf die klimatische und demografische Entwicklung eingegangen werden und die negativen Folgen für Gesundheit, Infrastruktur, Lebensweisen, Krankenhäuser, Pflege, Schulen und allen anderen Lebensbereichen vorbeugt und verhindert werden.

Verantwortung und Klimagerechtigkeit 
Wir wollen zusammen mit anderen Städten klimaneutral und klimaresilient werden und uns von erfolgreichen Konzepten inspireren lassen. Berlin nimmt seine Verantwortung für die Treibhausgasemissionen der letzten 150 Jahren ernst, welche schwerste Auswirkungen und Klimawandelschäden auf Städte in anderen Kontinenten zur Folge hat. Daher trifft Berlin eine besondere Verantwortung die eigenen Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren und weltweite 
Klimagerechtigkeits projekte zu unterstützen. Dafür werden mit bestehenden Städtepartner*innenschaften Projekte zur klimaanpassung und klimaneutralität erarbeitet und aufgebaut. Zudem muss Berlin zu weiteren Städten und Regionen Kontakt aufnehmen, denn die ungleiche Verteilung der Folgen der globalen Erwärmung unter Berücksichtigung 
des Verursacher*innenprinzips, trifft besonders jene Bevölkerungsgruppen, 
(mehrheitlich im Globalen Süden), die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, oftmals aber am stärksten und ungeschütztesten unter seinen Folgen zu leiden haben. Mit diesen Bevölkerungsgruppen wird Berlin Kontakt aufnehmen, über die Auswirkungen sprechen und Klimapässe anbieten. An Berliner Schulen und Universitäten wird themenübergreifend über globale Klimagerechtigkeit und die Klimakrise gelehrt und aufgeklärt.

Unsere Hauptforderungen:

  • Berlin an die klimatischen Bedingungen Städtebaulich anpassen
  • Schutz der Menschen in Berlin vor Hitzen, Dürren, Starkregen und 
    Überschwämmungen
  • Radikale Vorschriften für 99% klimaresilente Gebäudeoberflächen von 80% des Berliner Gebäudebestandes bis 2040
  • Regenwassernutzung auf Gebäuden mit mehr als 500m^2 Dachfläche
  • Regenwassernutzung auf allen Dachflächen
  • Verstärkte Schutzmaßnahmen zum Erhalt und Pflege von grünen und blauen Flächen
  • Anzahl der Straßenbäume in Berlin bis 2030 um 25% zu steigern
  • Umfassendes Baumscheibenbepflanzungsprogramm und 100.000 neue 
    Baumpat*innen
  • Aufklärungskampagne über Stadtgrün und Wasserbedarf von Stadtbäumen
  • Bereitstellungspflicht von Wasseranschlüssen im Erdgeschoss von 
    Wohngebäuden für die dezentrale Bewässerung von Baumscheiben
  • Entsiegelungsprojekte und Bepflanzung für ein natührliches Kühlen von 50% der Verkehrsfläche im Einklang mit einer Stärkung des Umweltverbundes
  • Umfassendes und nachhaltiges Maßnahmenpaket für die Klimaanpassung Berlins
  • Vielzahl von städtebaulichen Klimaanpassungentwicklungsprogrammen
  • Verknüpfung von Verkehrswende und Klimaanpassung
  • Investitionen zur Erforschung weiterer Klimaanpassungsmaßnahmen
  • Ausbau des Grünflächenamtes (Budget und Personal)
  • Frischluftschneißen statt Autobahnen
  • Weltweite Klimagerechtigkeitsprojekte mit neuen, von Klimawandel bedrohten Partner*innenstädten

Literaturhinweise:

1. Coumou, D., Robinson, A. & Rahmstorf, S. Global increase in record-breaking monthly-mean temperatures. Clim. Change 118, 771–782 (2013).

2. Coumou, D. & Rahmstorf, S. A decade of weather extremes. Nat. Clim. Chang. 2, 491 (2012).

3. Hansen, J., Sato, M. & Ruedy, R. Perception of climate change. Proc. Natl. Acad. Sci. 109, E2415–E2423 (2012).

4. Mohr, S., Kunz, M. & Keuler, K. Development and application of a logistic model to estimate the past and future hail potential in Germany. J. Geophys. Res. Atmos. 120, 3939–3956 (2015).

5. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpassung-an-den-klimawandel-0#wer-muss-sich-an-den-klimawandel-anpassen

6. David Nelles, Christian Serrer “Kleine Gase- Grosse Wirkung”, 2018, https://www.klimawandel-buch.de/

7. Paul Hawken “Drawdown – Der Plan”, 2017

8. http://www.flussbad-berlin.de/

9. https://www.ubm-development.com/magazin/gruen-gruener-koe-bogen-2/

10. https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/klimafolgen-anpassung/anpassung-an-den-klimawandel-0#wer-muss-sich-an-den-klimawandel-anpassen

11. https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/stadtgruen/gris/

12.https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2019/23/Art_01.html