Heutzutage erwartet niemand von einem Produkt, dass es ein Leben lang halten wird. Wir rechnen damit, dass sowohl unsere Gebrauchsgüter als auch unsere Konsumgüter nicht zwangsläufig länger als die Hersteller*innengarantie halten. Darauf kommt es aber auch nicht mehr an, stattdessen sollen sie möglichst günstig zu beschaffen sein. Bei Defekten wird den Konsument*innen vermittelt, dass der Neukauf die bessere Lösung ist. Die alten Produkte werden daher allzu oft ohne darüber nachzudenken weggeschmissen. Als wäre die kurze Lebenszeit unserer Produkte nicht schon genug, wird uns zusätzlich durch immer „neuere“, „bessere“ Produkte das Gefühl gegeben, dass unsere Sachen schon nach wenigen Wochen „out“ sind und ausgetauscht werden müssen. In unserer derzeitigen Gesellschaft definieren wir uns stark darüber, was wir besitzen. Die unbequeme Wahrheit, dass anderswo Umwelt und Menschen unter diesem Handeln und Denken erheblich leiden, wird oft ignoriert.

Müllwende jetzt!

Konsument*innen haben oft nicht die Möglichkeit, Produkte zu wählen, die unter fairen und ökologischen Bedingungen produziert wurden. Zudem wird der Markt von wenigen Großkonzernen bestimmt. Hier setzen wir uns für eine stärkere Regulierung ein und sprechen uns klar gegen den Bau und die Eröffnung neuer Malls ein. Gleichzeitig fordern wir den Senat auf, den Einzelhandel stärker zu fördern. Dafür muss es in Berlin endlich einen Gewerbe-Milieuschutz geben. Deshalb begrüßen wir die Bundesratsinitiative der Regierungskoalition. Außerdem fordern wir, dass Orte zum Reparieren und Wiederverwenden wie Tauschcafés als Orte sozialer Infrastruktur anerkannt werden. Solche Orte sind gut für den Ressourcenschutz und für die lokale Gemeinschaft, die sich beim Foodsharen, Reparieren oder Tauschen trifft. Um sie zu stärken soll der Senat Räume und finanzielle Unterstützung bereitstellen. Zusätzlich fordern wir, dass die Mehrwertsteuer bei Reparaturdiensten auf 7% herabgesetzt wird.
Weiterhin befürworten wir Abgaben für Plastiktüten und wollen, dass diese Praxis auch auf weitere To-Go-Verpackungen, wie To-Go-Becher, ausgeweitet wird. Langfristig soll ein Pfandsystem für Verpackungen von To-Go-Produkten geschaffen werden. Die GRÜNE JUGEND Berlin fordert deshalb, ein effizienteres und einfachereres System, welches alle Flaschen, auch Saftflaschen, umfasst.

Für Lebensmittel, die nicht ablaufen oder verschimmeln können, soll die Pflicht ein Ablaufdatum anzugeben, aufgehoben werden. Verbrauchen*innen sollen dann lediglich informiert werden, wann die Ware hergestellt wurde.

Um eine ökologische und nachhaltige Lebensweise zu fördern, muss diese günstiger sein und von Seiten der Regierung gefördert werden. Wir fordern, dass der (Ver)Kauf von gebrauchten Produkten gefördert wird. Dafür eignen sich besonders Gebrauchtwarenhäuser, welche in jedem Bezirk entstehen sollten. Darüber hinaus sollte die Reparatur von elektronischen Geräten, Kleidung und anderen Dingen stärker gefördert werden. Denn mit einer längeren Nutzung von Gebrauchsgegenständen entsteht auch weniger Müll, der ökologische Fußabdruck verringert sich.

Recycling und Wiederbenutzung fördern

Es wird sich sicher nicht vermeiden lassen, dass Abfall entsteht. Deshalb muss dieser dringend und immer getrennt werden. Nur eine konsequente Mülltrennung kann Recycling und damit Umweltschonung möglich machen. Die Landesregierung sollte hier regelmäßig kontrollieren, dass in allen Haushalten alle unterschiedlichen Mülltonnen vorhanden sind. Auch öffentliche Mülleimer sollten eine Mülltrennung ermöglichen. Gerade recycelte und ökologisch/fair produzierte Produkte sollten vom Land stärker subventioniert und selber gekauft werden, so zum Beispiel Bänke aus recyceltem Material. Auch eine erneute Prüfung aller Gesetze, die bisher die Nutzung von Recycling Produkten zum Beispiel aus Hygiene-Gründen verbieten, sollten erneut geprüft werden.

Um Sondermüll wie Elektroschrott, in dem noch viele wichtige Rohstoffe enthalten sind, wiederverwerten zu können, braucht es möglichst viele Sammelstellen. Wir fordern, dass kostengünstige Elektroschrott-Boxen in allen Supermärkten und zentralen Anlaufstellen im Land aufgestellt werden.

Es geht nicht ohne Bildung zum Umgang mit Müll

Wichtig ist, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Dimension des Müllproblems zu schaffen. Wir rufen daher den Senat dazu auf, Bildungsmaßnahmen zu ergreifen und Kampagnen zu starten, die alle Altersgruppen betrifft. Bereits in der Schule sollten Kinder lernen, Müll richtig zu trennen. Müllvermeidung muss früh gelernt werden, damit es zur Gewohnheit werden kann. Des Weiteren sprechen wir uns für Informationen zur Müllzugehörigkeit auf den Produkten aus. Damit wäre für die Verbraucher*innen klar, welche Verpackung in welche Tonne gehört. Außerdem müssen Initiativen, wie ein Zero Waste Haus, unterstützt werden, die ebenfalls Bildungsarbeit leisten und über ein Leben ohne Verpackungsmüll informieren können. Unserer Meinung nach ist der Senat ferner in der Pflicht, über Gebrauchtwarenhäuser und die oben erwähnten Elektroschrott-Boxen und Anlaufstellen zu informieren. Hier wäre eine Art Wegweiser oder Karte sinnvoll.

Das können wir als Einzelpersonen verändern

Wir müssen anfangen darüber nachzudenken, wer die Konsequenzen unseres Konsums trägt und welchen Schaden unser Konsum anrichtet. Denn unter billig produzierten Waren leiden Menschen und die Umwelt. Klar ist, wer weniger konsumiert, kann bewusster konsumieren. Trotzdem sind faire und ökologisch produzierte Waren oft teurer als andere Produkte und wir finden es zutiefst ungerecht, dass sich manche Menschen in unserer Gesellschaft diese Produkte nicht leisten können. Wir sehen als Aufgabe priveligierter Menschen an, Politik und Konzerne dazu zu bringen, den Markt so zu verändern, dass alle Menschen nachhaltig konsumieren können.
Alle Menschen können versuchen ihren Teil dazu beizutragen. Bewusster Konsum kann andere Lebensweisen aufzeigen und Menschen dazu bewegen mit für eine gerechtere Welt zu streiten.

Beschlossen auf der LMV am 03.11.2018