beschlossen auf der 1. außerordentlichen Landesmitgliederversammlung am 24. Februar 2014

Die Unterstützung des Volksbegehrens “100 Prozent Tempelhofer Feld” von über 180.000 Berliner*innen zeigt die große Unzufriedenheit mit den Plänen des Senats für die Zukunft des Tempelhofer Feldes. Die Beteiligung der Bürger*innen an der Ausgestaltung des Masterplans war weder umfassend, noch ist transparent geworden, welche Wünsche und Forderungen der Anwohner*innen in die Pläne mit aufgenommen wurden. Sinnlose und überteuerte Prestigeprojekte wie das neue Regenwasserauffangbecken und den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek beweisen darüber hinaus in Zeiten knapper Haushaltskassen die völlig falsche Prioritätensetzung des Senats. Die hohe Zustimmung zu dem Volksbegehren ist ein Zeichen dafür, dass der Senat seine Pläne jetzt stoppen muss und gemeinsam mit den Fraktionen im Abgeordnetenhaus neue Pläne erarbeiten muss. Hierbei muss eine breite Einbeziehung der Bürger*innen stattfinden.

Wir sehen, dass das Flugfeld Veränderungsbedarf und Entwicklungspotenzial hat. Veränderungen am Flugfeld müssen allerdings in enger Abstimmung mit den Betroffenen – den Berliner*innen und vor allem den Anwohner*innen – beschlossen werden und darauf ausgerichtet sein, das Flugfeld für alle Menschen zu verbessern. Die Pläne des Senates versagen an beiden Stellen. Sie machen das Flugfeld und seine Nutzung exklusiver und wurden in Hinterzimmern ausgearbeitet.

Wir begrüßen, dass der anstehende Volksentscheid am Tag der Europawahl stattfinden wird. Ein einfaches “Ja” zum Gesetzentwurf der Initiative “Tempelhof 100″ halten wir jedoch für den falschen Ansatz, da ein erfolgreicher Volksentscheid die Weiterentwicklung des Tempelhofer Feldes für sehr lange Zeit aufhalten würde.

Für einen neuen Nutzungs- und Flächenplan für das Tempelhofer Feld sind für uns als Grüne Jugend Berlin folgende Punkte essentiell:

Alle Maßnahmen müssen mit den Berliner*innen geplant werden.

Die ökologischen Bedingungen des Flugfeldes müssen berücksichtigt werden. So müssen die Natur- und Vogelschutzgebiete unbeeinträchtigt bleiben und der Effekt des Flugfeldes, mit seinen Kaltluftströmen maßgeblich zur Regulierung der Temperatur der umliegenden Stadtteile beizutragen, darf nicht beeinträchtigt werden.

Der in Berlin einzigartige Effekt der räumlichen Weite des Flugfeldes soll so gut als möglich aufrecht erhalten bleiben.

Teile des Gebietes waren zur Zeit des Nationalsozialismus als Konzentrations- und Zwangsarbeitslager Orte schwerer Menschenrechtsverletzung. Die Bedeutung dieser historischen Orte sowie die Möglichkeit hier der Opfer zu gedenken muss geschützt werden.

Um alle Teile des Flugfeldes allen Personen zugänglich zu machen, müssen Maßnahmen ergriffen werden, die das Flugfeld barrierefreier machen, beispielsweise das Aufstellen von Bänken oder das Schaffen schattiger Plätze.

Statt eines teureren 11 Millionen Regenwasserauffangbeckens in Form eines künstlichen Sees fordern wir eine flache und begehbare Versickerungsmulde, die ohne einen Eingriff in die Natur und Artenvielfalt auf dem Tempelhofer Feld auskommt.

Wir lehnen eine Wohnbebauung an den Grenzen zu den Neuköllner Wohnquartieren, sowie am Columbiadamm ab. Eine mögliche Randbebauung am Tempelhofer Damm muss sozialverträglich gestaltet werden und von den städtischen Wohnungsbaugenossenschaften durchgeführt werden. Mindestens ein Drittel des neuen Wohnraums muss dauerhaft Tranferleistungsemfpänger*innen sowie ein weiteres Drittel Mieter*innen mit Wohnberechtigungsschein vorbehalten sein.

Die vom Senat geplanten Wohnungsgrößen für die Randbebauung müssen, genauso wie die geplanten Mietpreise, gesenkt werden.

Dringend benötigte öffentliche Gebäude, wie Schulen, Kitas oder Turnhallen, sollen auf dem Außenring des Feldes gebaut werden können, wenn hierzu in den angrenzenden Vierteln keine Möglichkeit besteht. Gerade auf der Neuköllner Seite fehlt es an der entsprechenden Infrastruktur, die aber in den Vierteln selbst nicht untergebracht werden kann.

Einen Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Flugfeld lehnen wir ab und fordern die ernsthafte Prüfung alternativer Standorte in Berlin. Die veranschlagten Kosten des Senats von über 270 Millionen Euro sehen wir als vollkommen überzogen. Einen Teil der veranschlagten Mittel sollte in die Sanierung und das Aufstellen eines nachhaltigen Nutzungskonzepts für das ehemalige Flughafengebäude verwendet werden, welches derzeit mehr und mehr verfällt.

Wir sprechen uns gegen einen Weiterverkauf von Teilflächen des Geländes zur Finanzierung aus.

Wir fordern, das Flugfeld komplett autofrei zu halten. Das schließt neu entstehende Stadtquartiere mit ein. Funktionierende Beispiele für autofreie Wohnviertel lassen sich deutschland- und weltweit finden. Durch diese Regelung ist gewährleistet, dass das Tempelhofer Flugfeld auch zukünftig von Lärm- und Schmutzbelastung durch den motorisierten Verkehr weitestgehend verschont bleibt. So werden die Stadtquartiere zu Modellprojekten für nachhaltigen, modernen und lebenswerten innerstädtischen Wohnraum.

Auf dem Gelände soll ein innerstädtischer Zeltplatz entstehen. Auf diese Weise wird der bestehende Mangel behoben, da es derzeit kaum vergleichbaren Raum innerhalb Berlins für eine solche Nutzung gibt.