Warum Kulturelle Bildung?

Kultur, Kreativsein und Kulturelle Bildung machen erfinderisch, sensibilisieren, geben Raum für Persönlichkeitsentwicklung und schenken Selbstbewusstsein. Außerdem legen sie einen Grundstein für die kulturelle Teilhabe und ermöglichen es den Adressat*innen, nicht nur am kulturellen Leben teilzunehmen, sondern auch ihre eigenen Themen und Gedanken einzubringen. Mit einer inklusiven, niedrigschwelligen und aufssuchenden Kulturellen Bildung streben wir an, dass möglichst viele Menschen einen Zugang zu Kultur und Kultureller Bildung finden.

Dafür fordern wir:

1. Kulturelle Bildung in der Schule

Wir wollen besonders Kinder und Jugendliche mit Kultureller Bildung ansprechen. Viele Angebote setzen allerdings voraus, dass die Kinder und Jugendliche zuerst ein Theater, eine Musikschule oder einen Jugendclub aufsuchen. Dadurch werden nur diejenigen erreicht, die bereits Interesse an Kultur haben und von sich aus den ersten Schritt auf die Einrichtungen oder Vereine zu machen. Häufig sind das Personen, deren Eltern sie dazu ermutigen. Schulen bieten hingegen die Möglichkeit, alle Kinder und Jugendliche zu erreichen. Deshalb wollen wir Kulturelle Bildung als fächerübergreifendes Thema im Rahmenlehrplan verankern – 
damit im Unterricht genug Zeit für Kulturelle Bildung eingeräumt wird. Auch für die Vor- und Nachbereitung von zum Beispiel Museumsbesuchen soll genug Zeit eingeplant werden. Um ein Zusammentreffen von Schüler*innen und Künstler*innen in der Schule zu ermöglichen, fordern wir die Schulsozialraumöffnung. Dadurch soll auch die Zusammenarbeit von Schulen und außerschulischen Projekten vereinfacht werden.

Der effektivste Weg zu kultureller Bildung ist das aktive Praktizieren von 
Kunst, Musik, Theater etc. Daher müssen diese Bereiche vom Image der „weichen Nebenfächer“ wegkommen und mehr sein als eine nette Umrahmung des Schulalltags in der 0. oder 8. Stunde. Die Fächer bzw. Themenbereiche Kunst, Musik und Darstellendes Spiel müssen gestärkt werden und eine (auch im Stundenplan) zentralere Rolle im Schulalltag einnehmen. 
Die Erfahrungen zeigen, dass z.B. in den Schulalltag integrierte Instrumentalklassen eine äußerst positive Wirkung auf Klassengemeinschaft, Lernmotivation und kulturelles Interesse entfalten können. Diese Modelle sollten daher ausgeweitet und noch niedrigschwelliger gestaltet werden.

Gerahmt werden sollen diese Maßnahmen durch die Verankerung von Kultureller Bildung im Schulprofil. Zur Verwirklichung dieser Maßnahmen braucht es eine professionell begleitete und geplante Schulentwicklung.Über Projekte wie die Kulturagenten können Schulen langfristig in diesem Prozess unterstützt werden. Das Kulturagenten-Programm ist deshalb auszubauen.

2. Projektförderung

Um Projekte der Kulturellen Bildung zu fördern, wollen wir den Projektfonds Kulturelle Bildung erhöhen. Damit wollen wir alle Fördersäulen stärken, vor allem aber die Mittel für Kulturelle Bildung im Bezirk aufstocken, um Projekte direkt vor der Haustür der Adressat*innen zu stärken. Außerdem wollen wir die Kompetenzen der Kinder- und Jugendjurys stärken. Diese werden zwar für Entscheidungen über Projektmittel zu Rate gezogen, haben aber nur selten selber  Entscheidungskompetenzen. Vor allem – aber nicht ausschließlich – bei 
Entscheidungen über Projektmittel im Bereich der Kulturellen Bildung wollen wir das auf allen Ebenen ändern.

3. Kulturelle Bildung vor der Haustür

Es ist uns besonders wichtig, Angebote der Kulturellen Bildung in den Kiezen zu stärken. Diese aufzusuchen ist mit weniger Hürden verbunden und häufig sind Orte oder Träger*innen den Bewohner*innen im Kiez schon bekannt, weil sie zum Beispiel jeden Tag auf dem Weg zur S-Bahn an ihnen vorbeilaufen. Wir wollen selbstverwaltete und -organisierte Projekte von Kindern und Jugendlichen fördern. Dafür fordern wir die Einrichtung von Anlaufstellen für selbstorganisierte kulturelle Projekte von Kindern und Jugendlichen, die explizit die Aufgabe haben, diese Projekte personell und finanziell zu unterstützen. Es darf nicht am Geld oder noch fehlendem Wissen über Projektorganisation scheitern, wenn Kinder und Jugendliche kulturelle Projekte für ihren Kiez initiieren. Die nachhaltigste Art der Kulturellen Bildung ist dann möglich, wenn Leute selber kreativ werden. Außerdem unterstützen wir die Einrichtung und Ausweitung von Outreach-Programmen von Kultureinrichtungen, die eine Verankerung der Einrichtungen im Kiez fördern und damit die Distanz zwischen Einrichtung und Kiezbewohner*innen abbauen.