Die Annahme, Verbeamtung würde den Lehrkräftemangel in Berlin lösen, ist ein Trugschluss.“, so Heike Hoffmann, stellvertrende Vorsitzende der Jusos Berlin . Der Personalmangel bei Lehrerinnen und Lehrern ist ein kurzfristiges Problem, welches durch diese Art von langfristiger Systemumstellung nicht gelöst werden kann.

Es gibt keine belastbaren Daten und Belege darüber, wie viele Lehrkräfte Berlin verlassen, um sich in anderen Bundesländern verbeamten zu lassen. Viel mehr Faktoren können zu dem Beschluss junger Lehrer*innen führen, aus Berlin wegzuziehen. Das sind beispielsweise der Mangel an bezahlbarem Wohnraum oder der Mangel an Kitaplätzen für die eigenen Kinder. Außerdem sind viele Lehrkräfte auf Grund der hohen durchschnittlichen Normalarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche überlastet. „Andere Bundesländer, wie beispielsweise Brandenburg, haben weniger Pflichtstunden und sind dadurch attraktiver“, meint die Sprecherin der Grünen Jugend Berlin, Annkatrin Esser. „Im Wettbewerb um Lehrkräfte müssen wir auf Entlastung, Unterstützung und Wertschätzung setzen.“

Durch die hohen Pensionskosten sind verbeamtete Lehrkräfte nur kurzfristig günstiger. Wer auch an die zukünftigen Generationen denkt, darf nicht die heutigen Kosten auf deren Konten abladen.

Die Verbeamtung entzieht den gesetzlichen Krankenkassen und der Rente kräftige Beitragszahler*innen und ist damit ein Akt gegen die Solidarität innerhalb der Gesellschaft.

Das ist widersprüchlich zum angestrebten Konzept der Bürger*innenversicherung.

Viele Lehrkräfte wären auf Grund von Alter, Herkunft, politischer Orientierung oder ihres psychischen oder physischen Gesundheitszustandes von der Verbeamtung ausgeschlossen und würden so Diskriminierung zum Opfer fallen“, merkt Sophie Brandstätter von der Linksjugend solid an.

Ungerechtigkeiten im Kollegium, sowohl unter Lehrkräften, als auch anderen Berufsgruppen an Schulen gegenüber können durch die Verbeamtung niemals aufgelöst werden.

Schule muss zu einem Ort gemacht werden, der allen dort beschäftigten Menschen, also auch Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Hausmeister*innen und Verwaltungsangestellten, einen guten Arbeitsplatz bietet, denn nicht nur Lehrer*innen werden händeringend gesucht und verdienen eine angemessene Bezahlung. Die Besserstellung einer exklusiven Gruppe kann dafür keine Lösung sein.

Angestellte Lehrkräfte haben in Berlin das bundesweit höchste Einstiegsgehalt – am Geld kann es also nicht liegen“, so Ryan Plocher, Sprecher der jungen GEW. „Die Attraktivität des Berliner Lehramts muss deshalb anders erhöht werden.“

Verbeamtung bedeutet außerdem, Rechte, wie das Streikrecht, aufzugeben. Durch Arbeitskampf haben die Berliner Lehrer*innen sich jedoch Gehör verschaffen können, beispielsweise beim Thema E13 für Grundschullehrkräfte.

Die Berliner Landesverbände der Jusos, Linksjugend solid, Grünen Jugend und der jungen GEW lehnen aus all diesen Gründen die Verbeamtung von Lehrkräften ab. Uns junge Menschen geht gerade das Thema der Finanzierung etwas an. Denn es sind unsere Generationen, die auf den hohen Pensionskosten, welche die Wiederverbeamtung mit sich zieht, sitzen bleiben.