Zum Parteitag der SPD und der geplanten Wahlaltersenkung erklärt Madeleine Richter, Sprecherin der Grünen Jugend Berlin.

“Jugendliche prägen unsere Gesellschaft in allen Lebensbereichen maßgeblich, dürfen aber, bevor sie volljährig sind, nicht an der politischen Willensbildung in Form von Wahlen teilhaben. Dabei resultieren aus diesen fast immer Entscheidungen, welche junge Menschen direkt oder indirekt betreffen, auf die sie aber bedingt durch die Altersgrenze keinen Einfluss haben können.

Die gesellschaftlichen Vorstellung, die die Altersgrenze Aufrecht erhält, scheint geprägt vom Bild des willenlosen Jugendlichen, der/die manipulierbar ist und im Zweifelsfalle komplexe Fragestellungen noch nicht
zu durchschauen vermag. Diese Vorstellung ist in ihrer Verallgemeinerung nicht nur falsch sondern führt auch zu einer negativen Rückkopplung:
Gerade unter Jugendlichen kann ein Großteil der so genannten Politikverdrossenheit darauf zurückgeführt werden, dass eigenes Mitwirken unterbunden wird und somit ein Bild der Bevormundung entsteht. Würden
Jugendliche die Möglichkeiten erhalten in allen Bereichen, also auch an Wahlen, aktiv teilzunehmen, würde dies in der Folge auch zu mehr Interesse und Streben nach Meinungsfindung führen.”

Julia Rothenburg, politische Geschäftsführerin der Grünen Jugend Berlin, fügt hinzu:
“Die GRÜNE JUGEND Berlin begrüßt daher ausdrücklich den Vorstoß der Berliner SPD auf ihrem Parteitag am 26. Juni eine Wahlaltersenkung auf 16 ahre in ihrem Programm zu verankern.

Die GRÜNE JUGEND Berlin spricht sich langfristig aber für eine komplette Abschaffung von Wahlaltergrenzen und der damit verbundenen Unterbindung von politischer Partizipation aus. Wir streben eine Gesellschaft an, in der jeder Mensch befähigt ist, auf die Politik Einfluss zu nehmen und zu partizipieren. Entscheidungen der Politik haben Auswirkungen auf alle Menschen in einer Gesellschaft, auch Kinder müssen die Möglichkeit
bekommen, ihre Bedürfnisse, Interessen und Wünsche zu äußern, aber auch auf die gesellschaftlichen Prozesse durch Wahlentscheidungen einzuwirken. Das Alter kann kein gerechter Maßstab für die Fähigkeit zur
Willensbildung der einzelnen Individuen sein.

Mit Blick auf diese langfristige Forderung, unterstützen wir das Bestreben von Bündnis90/Grüne, Linke und SPD zu einer Wahlaltersenkung auf 16 Jahre und fordern die tatsächliche Verankerung in der Berliner Verfassung noch vor der nächsten Abgeordnetenhauswahl. Die GRÜNE JUGEND Berlin fordert auch CDU und FDP auf, sich der Wahlaltersenkung nicht entgegenzustellen sondern diesen Vorstoß zu einer gerechteren Gesellschaft mitzutragen.”