In den letzten zwei Jahren war der offene Antisemitismus an Berliner Schulen vermehrt Thema. Dieser zeigt sich in Beleidigungen, Mobbing und tätigen Angriffen. Täter*innen sind dabei in den bekannten Fällen meist gleichaltrige Schüler*innen aber auch Lehrer*innen. Die neue Häufigkeit der Angriffe zeigt deutlich, dass Präventionsarbeit gegen Antisemitismus an Schulen nicht ernst genug genommen wird.

Antisemitismus gibt es in jeder Bevölkerungsgruppe. Demnach ist es nur logisch, dass Antisemitismus vor unseren Schulen keinen Halt macht. Auch Schüler*innen, egal welchen Alters, haben politische Einstellungen und Weltanschauungen. Gerade weil wir es wichtig finden, dass Schüler*innen sich eine differenzierte politische Meinung bilden, gehört es für uns auch dazu, dass sie auf antisemitische Aussagen oder Andeutungen angesprochen werden. Das ist nur möglich, wenn die Schule ein Umfeld ist, in dem Antidiskrimierung ernst genommen wird und es Personen gibt, die für solche Auseinandersetzungen geschult sind.

Weiterbildungen für Lehrer*innen

Deshalb fordern wir ein umfassendes Fortbildungsprogramm für Lehrer*innen und andere Schulmitarbeitende, das sie sowohl darin schult, was Antisemtismus ist und wie sie ihn erkennen können, als auch Hilfen für die Konfrontation antisemitischer Haltungen bei Schüler*innen anbietet. Darüber hinaus müssen das Thema Antisemitismus, wie auch andere Diskriminierungsformen mehr Aufmerksamkeit im Lehrstudium bekommen. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass sich Lehrer*innen mit Diskriminierungsformen auskennen und so betroffene Schüler*innen unterstützen können. Gerade die oft subtilen Ausformungen von Antisemitismus müssen schon früh bei Schüler*innen erkannt werden, damit antisemitische Übergriffe an Schulen verhindert werden können und sich jüdische Schüler*innen nicht bedroht fühlen. Leider ist auch Antisemitismus unter Lehrer*innen ein großes Problem. Deswegen müssen sich besonders die Schulleitungen mit dem Thema auseinandersetzen. Schüler*innen, die sich über antisemitische Äußerungen im Unterricht beschweren, brauchen eine klare Anlaufstelle mit geschulten Zuständigen, die die Beschwerde der Schüler*innen ernst nehmen, statt sie herunterzuspielen oder die Lehrer*innen zu decken.

Aufklärungsarbeit ins Hier und Jetzt holen

Aufklärung über Antisemitismus scheitert oft daran, dass sich Schüler*innen nicht angesprochen fühlen. Antisemitismus wird dann nur mit Verweis auf den Nationalsozialismus diskutiert. Die Aufklärungsarbeit an Schulen sollte aber genauso strukturellen Antisemitismus, sogenannte „Israelfeindlichkeit“ und aktuelle Verschwörungstheorien thematisieren. Nur so können die Schüler*innen Antisemitismus in ihrem Alltag erkennen und sich gegen Antisemitismus positionieren. Hierfür gibt es Materialien und Programme (zum Beispiel vom American Jewish Committee Berlin oder der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus). Wir fordern, dass die Landesregierung jeder Schule solche Angebote zu Verfügung stellt.

Für professionelle Gedenkarbeit

Außerdem soll jede*r Schüler*in im Rahmen eines professionellen Programms die Möglichkeit haben, eine Gedenkstätte zur Shoah zu besuchen und dafür auch eine angeleitete Vor- und Nachbereitung zu bekommen. Diese Programme sollen nicht verpflichtend sein, aber Lehrer*innen sollen angeregt werden, mit ihren Klassen über die Möglichkeit zu sprechen und sich dabei Hilfe von den pädagogischen Mitarbeiter*innen der Gedenkstätten zu holen.

Eine*n eigenständige*n Antisemitismusbeauftragte*n in der Senatsverwaltung für Bildung

Wir begrüßen es, dass die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie eine Antidiskriminierungsbeauftragte anstellt. Allerdings ist das Thema Antidiskriminierung an Schulen zu vielfältig und wichtig, um es mit nur einer Person zu besetzen. Darum fordern wir die Einstellung einer*eines gesonderten Antisemitismusbeauftragten – und parallel dazu spezifische Beauftragte für andere Diskriminierungsformen.

 

Beschlossen auf der LMV am 17.01.2019.