Die Grüne Jugend Berlin möge beschließen, sich mit Initiativen und/oder anderen Jugendorganisationen bei Bündnis 90/Die Grünen Berlin sowie im Abgeordnetenhaus Berlin für folgende Ziele einzusetzen:

  • Ausweisung neuer Schutzgebiete, vorrangig Naturschutzgebiete, Fauna-Flora-Habitat- sowie Vogelschutzgebiete[1]
  • Die Beendigung der Nutzung von Pestiziden auf öffentlichen und landeseigenen Flächen
  • Überprüfung schutzwürdiger Standorte wie bspw. die Lichterfelde Weidelandschaft sowie Brach- und Bahnflächen
  • Festsetzung weiterer Landschaftspläne[2], vorrangig mit Festsetzung eines Biotopflächenfaktors (BFF)[3]
  • Verbindliche quartiersbezogene Versorgung mit Grün- und Freiflächen unter Berücksichtigung sozialer Aspekte im Sinne der Umweltgerechtigkeit
  • Bspw. über Aufstellung von Bebauungsplänen zum Schutz von Grün- und Freiflächen
  • Verbindliche Sicherung eines flächendeckenden Biotopverbundes
  • Zusammenstellung von geeigneten Standorten bspw. mit den Bezirken und interessierten Bürger*innen sowie mit entsprechender ökologischer Pflege[4]
  • Kleingartenanlagen sollen bei Neu-Umgestaltungen ökologischer eingeplant werden und den Naturschutz mitintegrieren[5]
  • Ökologisierung der Kooperationsvereinbarung – Wohnungsneubau der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften soll klimagerechter gestaltet werden

Im Zuge des städtischen Wachstums wird die Flächenkonkurrenz immer größer und bedroht essentielle Grün- und Freiräume. Die Publikationen über den Artenrückgang von Insekten um 75% in den letzten 27 Jahren in Deutschland [1], sowie dem Verlust von 2008 priorisierten Zielarten des Berliner Florenschutzprogrammes um über 20% [2], zeigen dass der Schutz von Natur und Grün eine stärkere politische und gesellschaftliche Beachtung finden muss. Die Artenvielfalt ist in den Städten in der Regel höher als in Agrarlandschaften, daher sind Biodiversity Hotspots in Berlin zu identifizieren und unter Schutz zu stellen. Für den Erhalt der Artenvielfalt bedarf es ein Konzept des Biotopverbundes von wertvollen ökologischen Kernflächen in Berlin. Geeignete Standorte sollen entsprechend ökologisch gepflegt werden. Regionales Saatgut dient dabei der Erhöhung und dem Schutz der lokalen Artenvielfalt.

Berlin muss seiner ethischen Verpflichtung, die biologische Vielfalt zu erhalten, Rechnung tragen: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die zukünftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen […].“ Art. 20a GG

Haushalt – Personal

Die Straßen- und Grünflächenämter sowie die Umwelt- und Naturschutzämter sind personell stark unterbesetzt. Im Zuge der nächsten Haushaltsberatungen sind diese mit ausreichenden Personal- und Sachmitteln auszustatten, um die Umwelt-, Natur- und Klimaschutzziele auch umsetzen zu können.

Umweltgerechtigkeit

Mit der zunehmenden Urbanisierung und dem daraus resultierenden Anstieg an Luft-, Lärm und Hitzebelastungen steigt auch der Stress bzw. das Erkrankungsrisiko für die Einwohner*innen. Zudem wohnen Menschen mit geringem Einkommen häufig dort, wo es laut, dreckig und wenig grün ist. Gute Luft sowie Zugang zu Grün- und Freiflächen dürfen aber keine Frage des Geldes sein.

[1]Erläuterung: Diese Gebiete haben den strengsten Schutzgebietscharakter.

[2]Erläuterung: Landschaftspläne dienen der Konkretisierung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege. Hier Landschafts- und Artenschutzprogramm Berlin.

[3]Erläuterung: Der BFF benennt das Verhältnis aus naturhaushaltswirksamer Fläche und Grundstücksfläche. Ziel des BFF ist die ökologische und sozio-kulturelle Kompensation der Folgen einer Nachverdichtung – ist bei Vorhaben nach § 29 BauGB einzuhalten.

[4]Erläuterung: Ab 2020 wird bundesweit regionales Saatgut in öffentlichen Naturflächen erforderlich sein. Da der Bedarf durch den geringen Anbieter-Markt von Saatgut erschwert ist, sollen Projekte bspw. über die Stiftung Naturschutz Berlin wie Urbanität & Vielfalt längerfristig erhalten und erweitert werden.

[5]Erläuterung: In Berlin gibt es zur Zeit 3 ökologische Kleingartenanlagen. Ökologisches Gärtnern ist von einem möglichst intaktem Ökosystem abhängig. Gerade bei einer Öffnung der Flächen für mehr Bürger*innen, sind festgelegte Gemeinschaftsflächen für den Naturschutz sowie für Bestäuber wichtig.

Quellen

[1] Hallmann, C. A., Sorg, M., Jongejans, E., Siepel, H., Hofland, N., Schwan, H., … & Goulson, D. (2017). More than 75 percent decline over 27 years in total flying insect biomass in protected areas. PloS one, 12(10), e0185809.

[2] Seitz, B., Ristow, M., Meißner, J., Machatzi, B., & Sukopp, H. (2018). Rote Liste und Gesamtartenliste der etablierten Farn-und Blütenpflanzen von Berlin. Universitätsverlag der TU Berlin.

 

Beschlossen auf der LMV am 10./11.05.2019.