beschlossen auf der 2. außerordentlichen Landesmitgliederversammlung am 15. September 2014

Licht- und Schattenseiten von Olympischen Spielen und Paralympics

Die Olympischen Spiele der Neuzeit und die Paralympics wurden 1896 beziehungsweise 1960 das erste Mal gefeiert. Einer der zentralen olympischen Gedanken ist, Menschen aus aller Welt über nationale Grenzen hinweg zusammen zu bringen und unter dem Motto “Dabei sein ist alles” das größte Sportfest der Welt gemeinsam zu begehen. Die Olympischen Spiele und die Paralympics sind ein Kulturevent, welches von vielen Menschen auf der Erde begeistert verfolgt wird. Für viele Sportler*innen ist die Teilnahme an den Spielen der Höhepunkt in ihrer sportlichen Laufbahn. Die Paralympics sind einer der wenigen Momente, in denen Menschen mit Behinderung ein größerer Platz in der breiten Öffentlichkeit geboten wird.
Doch die Kritik an den Olympischen Spielen, den Paralympics und vor allem am Internationalen Olympischen Kommittee (IOC) hat zu Recht immer mehr zugenommen. Die Spiele sind in den letzten Jahrzehnten immer größer und teurer geworden. Ursprünglich waren für die Olympischen Sommerspiele und Paralympics in London 2012 insgesamt 2,4 Milliarden britische Pfund veranschlagt. Mittlerweile lässt sich sagen, dass die Kosten mit über 11 Milliarden Pfund um fast das Vierfache gestiegen sind. Kosten und Nutzen stehen in keinem ausgewogenen Verhältnis mehr. London bildet hier allerdings keine Ausnahme. Eine Studie hat ergeben, dass bei den Spielen seit 1960 die Kosten durchschnittlich um 252 Prozent über dem Plan lagen. Darüber hinaus steht die häufig intransparente Vergabe der Spiele immer mehr unter Korruptionsverdacht. Die Vergabe an autokratisch regierte Länder, wie etwa bei den Spielen von Peking 2008 oder Sotschi 2014, dient nicht der Völkerverständigung, sondern der Unterstützung undemokratischer Regime.

Spiele in Berlin sind nur sozial, ökologisch, transparent und partizipativ möglich

Für uns ist klar: Olympische Spiele in Berlin wären nur unter folgenden Bedingungen möglich: ökologisch, sozial, transparent, wirtschaftlich nachhaltig und unter breiter Einbindung der Berliner Bevölkerung. Ein bindender Volksentscheid kann erst am Ende des Prozesses stehen, wenn Klarheit über Transparenz und Kosten bestehen. Bei der Erarbeitung des Konzepts müssen jedoch die Berliner Bevölkerung, sowie zivilgesellschaftliche Verbände die Möglichkeit erhalten aktiv daran mitzuarbeiten.

Durch die vergleichsweise gute Infrastruktur sind kostengünstige, ökologische und soziale Spiele in Berlin durchaus möglich. Durch zusätzliche Mittel des Bundes besteht die Möglichkeit Berlin als Stadt barrierefreier zu gestalten. Auch kann eine Bewerbung ein Modell für eine andere, echte Bürger*innenbeteiligung sein.

Der derzeitige Zustand des IOC lässt aber kaum hoffen, dass dieses Gremium dazu bereit ist diese bescheidenen und nachhaltigen Spiele auszutragen. Als GRÜNE JUGEND Berlin halten wir daher eine weitere Debatte über das Für und Wider von Olympischen Spielen für nicht ertragreich. Der Fokus der politischen Arbeit muss in dieser Stadt in den kommenden Jahren ein anderer sein und sich mit den drängenden sozialen und ökologischen Problemen in Berlin beschäftigen. Als GRÜNE JUGEND Berlin lehnen wir daher eine Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele und Paralympics 2024 oder 2028 ab.