Der Bericht der Grünen Jugend Steglitz-Zehlendorf
“Plastik ist ein Alltagsstoff, und auch noch ein sehr nützlicher. Die industrielle Herstellung steigt jährlich exponentiell mit der internationalen Nachfrage und sprengt alle Rahmen des „gesunden“ Konsums. Schon das Experiment, in den Supermarkt zu gehen und etwas ohne Plastikverpackung, Folie oder Tüte zu kaufen – 600 Milliarden werden jährlich davon produziert! – gestaltet sich als äußerst schwierig, man findet fast nichts, was nicht mit dem durchsichtigen oder gefärbten Stoff umhüllt ist. Plastik hat sich in seiner eigenen Evolution zum vielfältigsten „Superprodukt“ entwickelt: haltbar, preiswert, verlässlich schützt es unsere Nahrung, ist der Grundbaustein für unsere Lieblingsspielsachen, begleitet uns seit dem Schnuller und der Babyflasche unser Leben lang. Wir brauchen Plastik, weil es sich in unseren Händen zu allem verformt, was wir uns wünschen. Vor allem in industrialisierten Ländern sind wir davon abhängig, hergestellt wird es wiederum in Dritte – Welt – Ländern zu Billigpreisen. Es beherrscht unseren Alltag vor allem hinsichtlich der Bequemlichkeit: Plastik zu ersetzen ist schwer und teuer. Doch das Bestehen des Stoffes an sich würde keinerlei Probleme aufwerfen, wenn es ordentlich recycelt oder frei von toxischen, additiven Zusätzen wäre. Das größte Problem liegt meines Erachtens hauptsächlich darin, dass keine Nation oder Regierung sich zuständig fühlt, wenn der Müll sich nicht mehr in ihrem Land befindet. Früher landete der Abfall in Wäldern, Kanälen, auf der Straße, wo er mithilfe der Stadtreinigungsbetriebe ordnungsgerecht entfernt werden konnte. Wenn der Müll jedoch im großen Stil in die Weltmeere gelangt, liegt das praktisch nicht mehr im Aufgabenbereich der Länder; die großen pazifischen Ozeane „gehören“ rechtlich gesehen keiner Institution. Dadurch kann kein Beteiligter zur Verantwortung gezogen werden, selbst nicht, wenn die die Meere an bestimmte Länder grenzen wie im Fall des „Great Pacific Garbage“ – Strudels zwischen Amerika und Asien; die Ländern zeigen kein ernsthaftes Interesse, etwas dagegen zu unternehmen, da jegliche Bemühung natürlich mit Kosten verbunden ist. Zwar bemühen sich nichtstaatliche Umweltorganisationen um Müllvermeidung und, wenn möglich, Säuberung, das Problem liegt allerdings häufig bei der Kontrolle und Durchsetzung bzw. ausreichenden Durchgriffsrechten von Seiten des Staates. Auch die Grundeinstellung „aus den Augen, aus dem Sinn“ jedes normalen Bürgers in industrialisierten Ländern muss geändert werden. Die Verwendung von Stoffbeuteln statt Plastiktüten, Unterstützung von Biokunststoffen oder der minimale Zeitaufwand der ordnungsgerechten Müllentsorgung muss für einen sauberen und nachhaltigen Planeten einfach aufgebracht werden, sonst werden bald untragbare gesundheitliche und ökologische Konsequenzen für jeden daraus folgen. Denn auch nur die Vorstellungen von möglichen Zukunftsszenarien sollten jeden Menschen zum Nachdenken anregen. Dort wollten wir als Grüne Jugend mit unserer Aktion ansetzen: Menschen nicht nur auf das Problem aufmerksam machen, sondern auch zur Besserung bewegen. Aus gesammelten Pfandflaschen bauten wir eine Art Plastikpyramide, wir entwarfen ein Quiz mit Fragen wie viel Millionen Tonnen Kunststoff jedes Jahr weltweit produziert wird und wo der Müll hingelangt. Unsere dazu entworfenen Flyer aus dem Themenmonat „Umweltproblematiken“ konnten wir mit großem Erfolg verteilen: viele Menschen blieben stehen und kamen mit uns ins Gespräch.
Die Aktion hat allen Spaß gemacht und gegen Ende konnten wir erschöpft, aber glücklich sagen, zumindest einige Menschen in Steglitz – Zehlendorf zum Nachdenken bewegt zu haben.”